Die Glocken unsere Pfarrkirche

Seit Jahrhunderten begleiten uns Glocken durch den Alltag und das ganze Leben. Sie geben uns Halt, bringen Rhythmus in unser Leben und stellen so eine Verbindung zwischen Himmel und Erde dar. Vier Glocken hängen in unserer Glockenstube und versehen ihren Dienst. Das 3- stimmige Stahlgeläute wurde am 10.März 1923 von Dechant Trauner geweiht und ersetzte das 5-stimmige Bronzegeläute von 1830, das im Jahre 1917 für „Kaiser und Vaterland“ zu Kriegszwecken abgeliefert werden musste.

Glockenname Gegossen [Jahr] Gewicht [kg] Durchmesser [cm] Stimmung Material
Gallusglocke 1922 1115 132 e Stahl
Andreasglocke 460 460 101 a Stahl
Marienglocke 1922 239 89 c Stahl
Sterbeglocke 1449 120 60 fis Bronze

 

Gallusglocke
Gespendet von der Pfarrbevölkerung. Geweiht am 10. März 1923 durch Dechant Ludwig Trauner.
Andreasglocke
Gespendet von den Gläubigen der damaligen Gemeinde Oberachmann. Am Christi Himmelfahrtstag, den 29. Mai 1919 geweiht und aufgezogen. 1922 wurde die ursprüngliche gis-Glocke durch eine a-Glocke von den Böhlerwerken in Kapfenberg ersetzt.
Marienglocke
Noch vor Ende des 2. Weltkrieges von den Baumeistersehegatten Franz und Elise Lösch gespendet. Gegossen wurde die Stahlglocke ebenfalls bei den Böhlerwerken in Kapfenberg. Weihe am 15. August 1918 durch Generalvikar Balthasar Scherndl. Zur Rekonstrukturierung der Glocke kam sie 1922 nach Kapfenberg.
Sterbeglocke auch Zügenglocke genannt
Sie stammt noch aus der Zeit der Gotik und ist nicht nur die Älteste, sondern auch die wertvollste Glocke in unserer Glockenstube. Gegossen wurde die Bronzeglocke 1449 in Salzburg von Meister Georg. Sie hat eine Verzierungen, die eine sehr anmutige Darstellung der Muttergottes, eine Ritterfigur, ein Blatt und einen Frosch zeigt.

Ihre Inschrift lautet:

+ o rex glorie veni cum pace + anno domini MCCCCXLVIIII maister iorg +
(Oh König der Herrlichkeit komme mit Frieden + (Im Jahre des Herren) 1449 + Meister Georg)

Geschichte der Glocken

1514
Im Pfarrarchiv liegt eine Kirchenrechnung über den Kauf eines Glockenstrickes auf.
1654
Fertigstellung des Kirchturmes mit Glockenstube
1787
Bei der Brandkatastrophe vom 30.5.1787, der 36 von insgesamt 101 Häuser zum Opfer fielen und auch der Kirchturm ausbrannte ,wurden alle Glocken vernichtet.
1789
Vom aufgehoben Kloster Mondsee und der alten Pfarrkirche Mondsee kamen 4 Glocken nach Schörfling, Aus den zwei kleineren davon und zwei weiteren kleinen Glocken (eine Spende der Pfarrkirche Mehrnbach) und der geschmolzenen Glockenmasse wurden in Linz zwei größere, in der Tonfolge dazu passende Glocken gegossen.
1828
WiederGroßbrand in Schörfling; 14 Häuser samt Scheunen standen in Flammen und der Kirchturm brannte aus. Der Chronik entnehmen wir, dass das Gewölbe der Sakristei den herabstürzenden Glocken standhielt. Die Herrschaft Kammer schenkte die zwei kleinen Glocken des Schlosses für den nur notdürftig eingedeckten Turm. Vom Magistrat Linz bekam Schörfling die Turmuhr des zum Abbruch bestimmten Schmiedetores. Diese historische Turmuhr befindet sich heute noch im Kirchturm.
1830
Am 24. April wurden die fünf neuen Bronzeglocken, gegossen von Johann Oberascher in Salzburg, Stimmung E-Dur Akkord, durch Ehrenkanonikus Pfarrer Franz Derflinger von Schörfling geweiht und am nächsten Tag aufgezogen.

Glocke 1 / 1181 kg Ton e/ Inschrift: Unter Mithilfe des Grafen A.v.Khevenhüller und des Dechanten Derflinger. Das Feuer hat leider unserer Vorgänger vernichtet; der gläubige Sinn der Schörflinger hat uns 1830 wieder erneuert.

Glocke 2/ 590 kg Ton gis/ Inschrift: Ich rufe, und ihr kommet alle den lieben Gott und Vater anzubeten

Glocke 3/ 348 kg Ton h / Inschrift. Bewahre o Gott vor Blitz und Ungewitter die Pfarre Schörfling

Glocke 4/ 200 kg Ton e / Inschrift: Mein Ton stimme alle zur Liebe gegen Gott und den Nächsten.

Glocke 5/ 70kg Ton gis / Inschrift: Ein guter Engel führe deine Seele zu deinem Heiland Jesus.

 

1917
Von den 5 Bronzeglocken mussten am 19. März 1917 drei Glocken und am 27. Okt.1917 die 4. Glocke zu Kriegszwecken abgeliefert werden. Nur die kleinste Glocke verblieb noch im Turm. Luise Kronberger verfasste dieses Gedicht.

 

1923
Die neuen Glocken. Der Dechanat Trauner schreibt in der Chronik:

Am Freitag vor Beginn der hl. Mission kamen die neuen Glocken an. Um nämlich ein genau gestimmtes Geläute zu erhalten haben wir im Jänner die bereits im Turm befindlichen Stahlglocken in gis und h zum Rekonstruieren nach Kapfenberg geschickt. Es erwies sich aber, dass die gis-Glocke zur Rekonstruktion nicht tauglich war und so wurde daher eine neue Glocke in a geliefert. Das Geläute ist somit harmonisch in a moll, nämlich in eac. Am Samstag, den 10. März um 8.00 Früh habe ich die 3 Glocken auf dem Wagen stehend geweiht. Die große auf den Namen Gallus, die nächste auf den Namen Andreas und die kleinere auf den Namen Maria. Hierauf folgte das Aufziehen, woran sich alle freiwillig beteiligten. Nach dem abendlichen Ave Maria Geläut ertönte zum 1. Male das Geläut; es ist sehr schön und zur allgemeinen Zufriedenheit. So manch einer aus der Pfarrgemeinde wünscht sich, dass dereinst wieder ein 5stimmiges Bronzegeläut aus unserer Glockenstube erklingen möge.

Quellenangaben:

Pfarrchronik Schörfling, Glockenbuch im Pfarrarchiv Schörfling, Geschichte von Schörfling von Hr. Hans Dickinger 1988

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Bildnachweis:

Verabschiedung des Bronzegeläutes 1917, Aufzug der ersten Stahlglocken 1919, Fotos aus dem Besitz von Rudolf Feusthuber

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